Gott begegnet mir mitten im Leben
26.10.2026 von Dienende
Religion, Kirche, Gottesdienste und all das, was Menschen im Laufe der Jahrhunderte an Glaubensformen entwickelt haben, sind das eine. Mein Glaube an Gott ist etwas anderes. Für mich persönlich sind die Zugehörigkeit zu einer Religion und der Glaube an Gott zwei unterschiedliche Dinge. Mein Glaube ist etwas Inwendiges. Eine persönliche Beziehung zu Gott, eine innere Offenheit, ein Suchen und Fragen, das mich mein Leben lang begleitet.
Das gilt für mich auch für das Gebet. Gerade wenn ich an meine Verfehlungen denke, wenn Angst und Verzweiflung mitschwingen und ich mich frage, warum ich es nicht aus eigener Kraft schaffe, da herauszukommen, versuche ich zu beten. Doch gerade dann gelingt mir das Beten oft sehr schlecht. Es ist eher ein Gedankenchaos, und klare Gedanken finden sich in diesem Moment nicht. Gefühlsmäßig ist es dann fast so, als würde bei Gott von dem, was ich sage, nur „bla bla blub“ ankommen.
Wie soll ich es Gott erzählen, wenn ich es nicht einmal selbst richtig greifen kann?
In solchen Augenblicken hoffe ich, dass Gott mich trotzdem versteht. Dass er längst weiß, was mich bewegt, auch wenn ich selbst keine Worte dafür finde. Vielleicht muss ich ihm auch gar nichts erklären. Vielleicht darf ich einfach bei ihm sein.
Oft sind es die kleinen Momente des Lebens, in denen ich etwas von dieser Nähe spüre. Ein Lächeln, ein freundlicher Blick, ein freundliches Wort oder wenn mir auf meinem Weg eine Katze begegnet, kurz innehält und sich von mir berühren lässt. Es sind nur kleine Augenblicke, und doch empfinde ich darin etwas ganz Zartes und Liebevolles. Manchmal ist es, als würde ich darin etwas von Gottes Liebe spüren.
Hast du schon einmal beobachtet, wie die Welt mit den Augen eines Kindes aussieht? Ein Kind kann auf einer Wiese sitzen, ein kleines Blümchen entdecken und es als etwas ganz Wunderbares ansehen. Es strahlt über das ganze Gesicht und ist in diesem Moment einfach nur da – ohne Arg.
Vielleicht gibt es dieses kleine Kind noch in mir. Vielleicht nimmt es mich manchmal an die Hand und führt mich ein Stück näher zu Jesus Christus. Ganz still, ohne Worte. So, als würde sich eine Tür nur einen kleinen Spalt öffnen und durch diesen Spalt etwas Liebevolles und Helles in mein Herz gelangen.
So ist es auch jetzt, während ich hier sitze und meine Gedanken und Gefühle aufschreibe. Ich fühle mich Gott sehr nahe.
Vielleicht muss ich Gott selbst in meinen dunkelsten Augenblicken nichts anderes geben als mich selbst, so wie ich gerade bin. Mit meinem Gedankenchaos, mit meinen Fragen, mit meinen Verfehlungen, meiner Angst und meiner Sehnsucht. Vielleicht ist genau das mein heutiges Gebet.
Ich bin einfach da und vertraue darauf, dass ich nicht allein bin.
|
|